Schokoladenfabrik M.

Manchmal lohnt es sich zu warten: Gut zwei Jahre nach dem ersten erfolglosen Versuch, die ehemalige Schokoladenfabrik zu besuchen, entpuppte sich das Objekt zu einem Kleinod unter den Verlassenen Orten. Trotz ihrer eher bescheidenen Größe bot sich auf einem kleinen Areal eine Mischung aus Industrie, Wohnen,  #Autofriedhof und Familiengeschichte.

Beim letzten Besuch lebte noch die Urenkelin des Gründers der Fabrik unter ärmlichen Verhältnissen auf dem Gelände und hatte ein wachsames Auge. Inzwischen lebt sie in einem Pflegeheim und die Fabrik sowie das angrenzende Wohnhaus sind verwaist.

Die #Schokoladenfabrik nahm 1921 ihren Betrieb auf, nachdem der Gründer bereits zwei erfolgreiche Reformhäuser betrieben hatte. Neben Schokolade wurde auch weitere Reformhaus-Produkte produziert. Das Unternehmen stellte 1992 die Produktion ein und schloss seine Pforten, da es nicht mehr wirtschaftlich arbeitete. Zu dieser Zeit leitete der Enkel des Firmengründers das Werk und Gerüchten zufolge beging er aufgrund der Werksschließung Selbstmord.

Zum Werk gehörte ein großes Grundstück, auf dem neben der Fabrik ein kleines #Wohnhaus und diverse Garagen mit alten verrotteten Autos stehen. In der Fabrik befinden sich noch zahlreiche Maschinen, an denen der Zahn der Zeit bereits kräftig genagt hat. Im Wohnhaus – dort wo die Urenkelin bis 2016/17 gelebt hatte – finden sich Berge von leeren Kakaopulver-Packungen, Milchtüten und vor allem Packungen von Katzenfutter. Zahlreiche Dokumente zeugen von der Armut der Nachfahrin der einst erfolgreichen Schokoladenfabrik, die in ihren besten Zeiten bis zu 90 Menschen Arbeit bot.

Anfang 2018 fand das Wohnhaus über eine Zwangsversteigerung einen neuen Besitzer, der sich jedoch in den vergangenen Monaten noch nicht sonderlich um sein neues Objekt gekümmert hat.

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